Natursehenswürdigkeiten

Jeschkenkamm

Der Jeschkenkamm umgibt Liberec von Südwesten her und auf seinem Gipfel in einer Meereshöhe von 1012 m ü. d. M. sitzt das Berghotel und Fernsehsender Ještěd (Jeschken) und trotzt den Launen des Wetters. Die Natur hält hier jedoch noch viel mehr bereit. Steinbrüche, Felsen, Höhlen, Steine, Urwald und sogar einen Wasserfall.
Standort
Adresse:LiberecGPS:50°43'57.5''N; 14°59'4.6''E[Karte]
Kontakt
– nicht verfügbar –

Felsaussichten:

Dank der günstigen Lage bietet sich einem vom Berggipfel eine großzügige Aussicht in die weite Umgebung. Bei gutem Wetter ist etwa ein Drittel Böhmens zu sehen und man kann von hier aus auch einen Blick zu den deutschen und polnischen Nachbarn werfen. Ein naher Aussichtspunkt, nur ein Stück vom Gipfel entfernt, ist auch der Felsen Rotstein (Červený kámen), in dessen Nähe sich im Wald eine Gedenkstätte verbirgt – der Fliegerhübel – zum Gedenken an einen Flugzeugabsturz. Der dritte Aussichtspunkt ist (ebenfalls in der Nähe) der sog. Torstein (Kamenná vrata), von wo aus sich eine wunderschöne Aussicht auf die andere Seite des Kamms eröffnet – in die Region des Jeschkenvorlands, das die bekannte tschechische Schriftstellerin Karolina Světlá in ihrem Werk verewigte.

Felsen und Steine:

Ein kleines Stück unter dem Berggipfel erhebt sich ein einzelnstehender großer Quarzitfelsen, der – zur Erinnerung an die Sage über einen Schneider, der sich auf die Teufel eingelassen hat und angeblich gerade unter diesem Stein sein Grab fand – Krejčík (Schneiderstein) genannt wird. Die nahegelegenen Felswände Wirbelsteine (Vířivé kameny) wiederum erhielten ihren Namen nach den bekanntesten Alpengipfeln – z. B. Kleines Matterhorn, Monte Rosa, Castor, Pollux usw. Ein weiterer bedeutender (und gleichzeitig der schönste) Jeschkenfelsen ist der bereits erwähnte Torstein aus Quarzit. Der Grund seiner Benennung wird einem sofort klar, wenn man ihn sieht. Hinsichtlich der Popularität wetteifern mit diesen bekannten und sehr beliebten Felsen – und gewinnen vielleicht auch ein bisschen – die Weißen Steine (Bílé kameny), die ein ordentliches Stück weiter in Richtung Nordwesten am Waldrand bei Jítrava vorsichtig hervorgucken. Allgemein werden sie Elefantensteine genannt, und ihre Ähnlichkeit mit einer Herde dieser Rüsseltiere ist einfach unglaublich.

Kalksteinbrüche:

Noch Ende des 19. Jahrhunderts gab es an den Hängen des Jeschken bedeutsame Kalkbrennereien und Kalksteinbrüche, von denen hier jedoch nur noch Ortsbezeichnungen übriggeblieben sind (z. B. Panský lom (Herrensteinbruch), Freibad Vápenka (Kalkbrennerei) u. Ä.). Den Solvay-Steinbruch in der Nähe des Kriesdorfer Sattels (Křižanské sedlo) beispielsweise, wo noch bis in die 20er Jahre des 20. Jahrhunderts Kalkstein abgebaut wurde, nahm sich die Natur nach Ende der Arbeiten allmählich wieder zurück und besiedelte ihn zusätzlich mit bewundernswerten und seltenen Tier- und Pflanzenarten. Heute ist dieser Jeschkensteinbruch, der seinerzeit der größte war, also ordentlich bewachsen. Aber er ist zugänglich, und bei einem kurzen Spaziergang gelangt man hier leicht zur sog. Schönen Aussicht (Krásná vyhlídka) über der Räuberhöhle (Loupežnická jeskyně) (diese ist jedoch leider nicht zugänglich).

Höhlen:

Der Jeschkenkamm wird von zahlreichen Höhlen durchzogen, und einige von ihnen ziert sogar bis heute erhaltener Tropfsteinschmuck. Die bekannteste Höhle ist die Hanichener Höhle (Hanychovská jeskyně) beim Herrensteinbruch (Panský lom), eine weitere ist das Fuchsloch (Liščí díra) über Padouchov und die größte ist die Westhöhle (Západní jeskyně) bei Jítrava. Jedoch ist keine der Jeschkenhöhlen für die Öffentlichkeit zugänglich!

Wasserfall:

Während den Mummelfall im Riesengebirge praktisch jeder kennt und auch schon so manch einer vom Stolpichfall im Isergebirge gehört hat, wagen wir zu behaupten, dass häufig nicht einmal Ortsansässige vom Jeschkenwasserfall wissen. Das hat jedoch seinen Grund. Dieser vergessene Wasserfall fällt zwar aus einer Höhe von etwa 8 Metern herab, gegenüber seinen berühmteren Kollegen ist er jedoch nicht gerade ergiebig und erscheint zudem nur manchmal, wenn die Landschaft nach ergiebigen Regenfällen mit Wasser gesättigt ist. Aber er ist da, und das ist die Hauptsache.

Urwald:

In der Nähe des erwähnten Wasserfalls befindet sich ein weiteres Gebiet, das kaum einer auf dem Jeschken vermuten würde. Hier wächst nämlich ein Neuer Urwald. Den ursprünglich von einer reinen Fichtenkultur bewachsenen Standort wandelt die Naturfreunde-Gesellschaft Čmelák in einen natürlich biodiversen Wald um. Sie hat hier bereits über 70 Tausend Tannen, Buchen, Ahornbäume und andere Gehölzarten gepflanzt. Schirmherr des Neuen Urwalds ist der Schauspieler Pavel Liška.

Nicht alltäglicher Anblick:

Vielleicht enttäuschen wir Sie jetzt ein bisschen oder – ganz im Gegenteil – Sie hören auf sich zu fürchten, aber der Jeschken selbst ist kein Vulkan und war auch nie einer. Für die eigenartige Form des Berges kann der harte Quarzit, der allen Einflüssen Stand hielt, während die umliegenden weicheren Phyllite, Kalksteine und paläozoischen Schiefer abbröckelten und zerfielen. Der Kraftprotz blieb und die schwächeren Stücke fielen ab. Aber dennoch reicht es, wenn die Sonne hinter dem Jeschken untergeht und die Natur Phantasiebilder an den Himmel malt, und schon kann es einem auch heute so vorkommen, als stünde der ganze Horizont in Flammen. Einen herrlichen Anblick können auch die sog. Wolkenfälle hervorzaubern, bei denen die Wolken träge über die umliegenden Hügel ziehen und die Stadt selbst visuell in einem siedenden Kessel gekocht wird. Aber auch wenn gerade keine Katastrophenillusion auf dem Programm steht, empfehlen wir hinzusehen und nicht umzuschalten. Der Jeschkenkamm hält eine ganze Videothek und Fotobank sehenswerter Bilder für Sie bereit!